Markus Baersch

Software · Beratung · Lösungen

Start » Blog » Datenschutz

15.09.2015

Schon am Titel wird man es merken können: Dieser Beitrag verfolgt keinerlei Rankingziele. Er will nur meckern. Es gibt allerdings im folgenden Extremfall auch reichlich Anlass dazu, denn er zeigt, wie krank manche Websites sind. Nicht, dass es ein besonders trafficstarkes Beispiel wäre... aber es ist dafür sagenhaft miserabel.

Der Anfang allen Übels

Alles fing mit einer “ganz normalen” Websuche an. Ich habe die folgende Seite im Zuge einer Recherche in einem sehr engen und vergleichsweise "unspannenden" Keywordbereich gefunden, so dass zu Googles Entschuldigung gesagt sei, dass es ganz einfach auch nur wenig passende Inhalte gibt. Außerdem war der Inhalt selbst gar nicht so übel. Gelandet bin ich jedenfalls bei forums.codescript.in und da auf einer Seite mit dem schönen Namen how-to-fetch-top-pages-and-top-query-data-from-google-webmaster-tool-by-usi-2543.html. Warum ich nicht einfach einen Link setze? Weil ich das nicht mal mit nofollow entwertet auf einer verschlüsselten Seite machen würde, die hinter einem Login auf einem Server ohne Internetverbindung vor allen Suchmaschinen dieser Welt versteckt wäre. Deshalb!

Dabei fing alles so "harmlos" an: Schon nach 3 Minuten war die Seite augenscheinlich erstmals mit dem Laden fertig. Für die, die es wissen wollen: DOMContentLoaded nach 31,15 Sekunden. Also nichts wirklich Ungewöhnliches. Leider.

Nach 10 Minuten

Auch nicht ungewöhnlich ist es heute (ebenso leider), dass Hardcore-Monetarisierer einfach nicht mit dem Nachladen von irgendwelchem Zeugs aufhören können. Wenn die Tracker erst mal durch sind, dann halt ständig neue Werbemittel. Und zwar - natürlich - absolute Qualitätsware wie sowas hier:

Werbemittel aus der Hölle

Rein, Impression, raus, Dankeschön. In Zahlen bedeutet das, dass die Seite dann nach 10 Minuten schon über 3000 Requests abgesetzt hatte. Siehe Timeline und Statusleiste:

Ressourcenverschwendung im Browser sichtbar gemacht

Das Spiel geht natürlich immer weiter. Nach weniger als 15 Minuten sind über 4700 Requests abgesetzt und ca. 8MB an Schrott nachgeladen. Inzwischen hatten mehr als 200 Domains ihre Cookies bei mir abgeladen.

Nach 20 Minuten

... sind es schon mehr als 6000 Requests, über 10MB. Mein treuer Begleiter Ghostery zeigt mir satte 115 Tracker an, die er kennt. Es sind auch inzwischen schon 6 zum Scheitern verurteilte (Antwortcode 404 / 500) und knapp 300 failed / canceled Requests für "Werbemittel" abgesetzt worden.

Fehlerhafte Anfragen

Die Entropie wird also langsam messbar 😐

Nach 30 Minuten

Hurra. Es sind nun mehr als 8700 Requests angesetzt worden und weiter wechseln die Werbemittel. Hier eine Abbildung mit gerade mal wieder angesprungener Liste von Ghostery, die alle gefundenen Tracker auflistet.

Ghostery ist voll. Aufhören bitte!

Also gut. Nach 14MB, 124 Trackern in Ghostery und grob 500 Cookies von fast ebenso zahlreichen Domains verliere ich endgültig die Lust und ziehe den Stecker. Wer mehr wissen will, kann das gern selbst probieren und länger laufen lassen.

Extremfall <> Einzelfall

Das Ergebnis liegt auf der Hand: Da stimmt was nicht. Auch wenn diese Site ein Sonderfall ist (den vermutlich auch vergleichsweise wenige zu sehen bekommen), so ist das nicht so weit von der Realität reichweitenstarker Portale aus allen möglichen Bereichen entfernt. Und natürlich überreifer Affiliateprojekte, die aus Versehen noch ranken und daher so weit ausgequetscht werden, wie es nur geht. Ich kann das zwar nachvollziehen... aber besser wird das Web davon nicht.

Da helfen dann auch keine aufgesetzten Datenschutzhinweise oder Links zu 700 verschiedenen Opt-Out-Möglichkeiten mehr. Fälle wie dieser sind für jeden Besucher, der sich dorthin verirrt, ein Loch ohne Boden, wenn es um unerwünschtes Tracking und seine kranken Verwandten geht. In solchen Momenten verstehe ich, warum Script- und Adblocker so beliebt sind. Schade um jeden auch nur ansatzweise hilfreichen Inhalt, der sich in eine so unpassende Form quetschen lassen muss!

© 2001 - 2017