Markus Baersch

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03.11.2008

Nach meinen eigenen Gehversuchen in Version 1 und einem nur virtuellen Überblick über Version 2.0 von Delphi for PHP hatte ich vergangene Woche im Rahmen der fragwürdigen „EKON 12 / Ajax In Action / International PHP Conference – Kombiveranstaltung“ (dazu vielleicht später einmal mehr) die Gelegenheit, mir die nachgebesserte Fassung ein wenig näher anzusehen. Man muss schon zugeben, dass die Version deutlich besser als Version 1 dasteht. Und damit ist nicht nur die Hilfe gemeint, denn da war erstens noch reichlich Luft nach oben vorhanden und zweitens ist die Hilfe auch heute – in guter Delphi – Manier – immer noch nicht als Referenzklasse zu bezeichnen. Die allgemeine „Benutzbarkeit“ hat aber merklich zugenommen und es ist für mich zumindest denkbar, dass man damit gute Ergebnisse erzielen kann (wenngleich ein Ernst zu nehmender kommerzieller Erfolg des Produkts nach wie vor unwahrscheinlich bleibt). Ich habe es nur mangels Not nie selbst ausprobiert.

Nicht zum ersten Mal habe ich mich aber gefragt, wer genau die Zielgruppe von Delphi for PHP ist. Streng genommen richtet sich Delphi for PHP ja nicht an Delphi-Anwender. Der Name soll zwar dazu dienen zu verdeutlichen, dass damit die Entwicklung von PHP-Anwendungen so einfach wie das Entwickeln in Delphi ist. Vor allem für Einsteiger ist Delphi for PHP schließlich ein prima Werkzeug…. die haben aber leider wahrscheinlich überhaupt keine Ahnung, was Delphi ist oder warum es toll sein sollte. PHP-Einsteigern und „Webentwicklungs-Umsteigern“ ist es ganz bestimmt eine enorme Erleichterung, sich möglichst viel Arbeit von einer guten IDE und einem geeigneten Framework abnehmen zu lassen und sich im Idealfall nie mit Dingen befassen zu müssen, die „unter der Haube“ stattfinden. Und Delphi for PHP bietet dem Entwickler in der Tat einige Vorteile:

  • Reichlich Wiederverwendbares in Form einer Framework- / Widget-  Kombination (VCL for PHP)
  • Effizientes lokales Entwickeln und Testen direkt nach der Installation
  • Die konfigurationsstressfreie Verwendung eines Debuggers
  • Die vergleichslose Integration eines Frameworks und einer IDE in Form der VCL for PHP und der produktivitätsfördernden Funktionalität einer Delphi-IDE; beides mehr oder weniger aus einer Hand (Quadram)
  • Ein brauchbarer Profiler, der bei der Optimierung von Performanceengpässen hilft
  • Der nahezu „codefreie“ Einsatz von AJAX-Funktionalität dank der guten XAJAX-Integration
  • Zugriff (via adodb) auf zahlreiche Datenquellen ohne besonderen Konfigurationsaufwand

Wer also schon seine Wahl getroffen hat, bestimmte Frameworks kennen und lieben gelernt hat und auch mit seinem Editor hoch zufrieden ist, für den mag der Anreiz nicht groß genug sein; zumal man sich den Großteil davon selbst „herbeikonfigurieren“ kann. Um aber nicht den typischen Einstieg über Bücher mit Scripten aus dem PHP3-Zeitalter zu machen und sich erst später mit Objekten, Frameworks und anderen Dingen jenseits von echo „Hallo Welt“; zu befassen, ist Delphi for PHP ganz sicher ein viel besserer Einstieg in PHP. Schade nur, dass wahrscheinlich wenige – mangels Kenntnis – diesen Weg wählen werden.

Klar, Delphi for PHP ist natürlich auch weit entfernt davon, perfekt zu sein und viele Funktionen wecken mehr Wünsche als sie zu decken, aber man muss ganz einfach anerkennen, dass hier eigentlich etwas sehr Richtiges getan wurde, indem man rund um PHP ein Gesamtpaket geschnürt hat, das dem Interessenten einen Einstieg erlaubt, ohne dass zuerst WAMPP / XAMPP, ein Editor, ein Framework, ein dies und ein jenes besorgt, installiert, konfiguriert und ausprobiert werden muss. Und vor allem steht hier das schnelle Ergebnis und eine gut bedienbare Benutzeroberfläche des Endprodukts – eben delphilike – im Vordergrund. Mit etwas mehr begleitender Literatur könnte dieses Paket vielleicht sogar noch attraktiver sein. Aber vielleicht macht MS es ja bald besser. Die Annäherung von Microsoft (in Form von Visual Studio, IIS & Co.) an PHP ist jedenfalls nicht mehr zu übersehen.

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