Markus Baersch

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11.03.2009

Dass Google eine ganze Menge über seine Nutzer weiß und damit auch bereit ist, etwas anzufangen, ist kein Geheimnis, sondern wird aus verschiedensten Perspektiven seit jeher kontrovers diskutiert. Jetzt gibt es eine neue Funktion, die alle aktiv ausschalten müssen, die Google verwenden, aber dabei nicht immer „gläserner“ werden wollen. Ähnlich wie beim Web-Protokoll („Waaas, Google weiß, welche Seiten ich besucht habe, nachdem ich auf einen Suchtreffer geklickt habe???“ – „Ja natürlich, Du Depp!“), das erst dann für Aufsehen gesorgt hat, als es zu einer vom Nutzer beeinflussbaren Option gemacht wurde, wird die der „Google Anzeigenvorgaben-Manager“ sicher ähnliche Entrüstung derjenigen provozieren, die sich vorher überhaupt keine Gedanken beim Surfen gemacht haben, aber nun protestieren, sobald die Bestätigung der Existenz einer solchen Funktion für alle im Web verfügbar ist. Komischerweise ist diese Untermenge der Webnutzer in weiten Teilen deckungsgleich mit den Usern zahlreicher Web 2.0 Communities und Portale, in denen sie bedenkenlos jede Menge Daten in ihre Profile eingeben, die ein noch weitaus wirkungsvolleres Targeting erlauben als die durch die Anzeigenvorgaben bei Google reflektierten Informationen. Aber egal, ich schweife offenbar schon wieder ab… 

Es geht um eine Liste der persönlichen Interessen des Surfers, die sich durch Websites ermitteln lassen, die man besucht hat oder Videos, die man bei YouTube angesehen hat. Sind mehrere der von mir bevorzugten Websites Partner im Google Werbenetzwerk (erscheinen dort also über das AdSense-Programm von Google ausgelieferte Anzeigen), wird davon ausgegangen, dass meine persönlichen Interessen mit den Informations-Segmenten übereinstimmt, in die die entsprechenden Websites einsortiert wurden. Google weiß also auch ohne Verwendung eines Google-Accounts durch entsprechende Cookies unter Umständen nach einer Weile theoretisch recht gut, was mich interessiert. Was liegt näher, als mir beim nächsten Besuch bei YouTube oder einer Website mit aktiviertem Google-Werbeprogramm Anzeigen zu präsentieren, die meinen Interessen entsprechen? Das System, welches mehrfach effektlos ausgelieferte Anzeigen immer weiter aus dem Fokus des Benutzers rückt (das passiert z. B. bei AdWords-Anzeigen in Suchergebnissen, wenn mehrfach nach dem gleichen Begriff gesucht wird), kann auf diese Weise noch verbessert werden und mir nicht nur „relevantere und interessantere Werbung“ liefern, sondern eben auch genau die Anzeigen, die die besten Chancen auf einen Klick von mir – unter Berücksichtigung meiner offenkundigen Interessen – haben.

Da dieses System seine Grenzen hat, kann auch der „anonyme Google Nutzer“ ohne Anmeldung in einem Google Account selbst Finetuning an den ermittelten Interessen haben. Vordergründig kann so z. B. die Tatsache „korrigiert“ werden, dass ich beruflich vielleicht jede Menge Sites besuche, die meine privaten Interessen überhaupt nicht abdecken, so dass ich Werbung sehe, die für meinen Chef sicher klasse ich, mich selbst aber überhaupt nicht anspricht. Kein Problem: Unter http://www.google.com/ads/preferences/ lassen sich die ermittelten Vorgaben bereinigen, eigene Einträge hinzufügen oder die Funktion komplett deaktivieren.

Ich für meinen Teil werde nun erst einmal von der üblichen Cookievernichtung beim Sitzungsende absehen und aus reinem Interesse beobachten, welche Schwerpunkte denn so ermittelt werden, wenn die Funktion einige Zeit zur Analyse meines Surfverhaltens bekommt. Da ich ansonsten ohnehin privat relativ „web-werberesistent“ bin und nur aus beruflichen gründen Interesse an AdWords, AdSense und anderen Programmen habe, ist diese Funktion für mich vom reinen Anwendernutzen her eher irrelevant. Aus Sicht des Datenschutzes sehe ich keinen Aspekt, der wirklich neu wäre… außer natürlich, dass Google diese Daten nur dort nutzen kann, wo der AdSense-Publisher dieser Form des verbesserten Targetings überhaupt per AGB oder sonstwie zustimmt*. Illusionen über Privatsphäre im Web ohne besondere Vorkehrungen habe ich auch seit längerer Zeit nicht, so dass mir die Funktion mehr oder weniger „wurscht“ ist. Das mag aber nicht jeder teilen und vor allem diejenigen, die aus Prinzip entrüstet sind, wenn es um Google und Nutzerdaten geht, dürfen nun wieder ihre Blogs vollschreiben. Viel Material habe ich zwar zu diesem Thema komischerweise noch nicht gefunden; das kommt aber sicher in den nächsten Tagen.

Siehe hierzu den Beitrag AdSense Publisher in der Pflicht.

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