Markus Baersch

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01.04.2008

Um Marktführer zu bleiben, darf man sich nicht auf seinen Erfolgen ausruhen… nicht mal, wenn man Google heißt. Neue Suchfunktionen und Methoden, um das unerschöpfliche Angebot des Webs „erfahrbar“ zu machen, entstehen jeden Tag und überall. Social Search, lokale Suche, Expertenempfehlungen, Massenbewertung von Suchergebnissen und eher unbekannte Spezialsuchmaschinen haben ihre Daseinsberechtigung und werden, wenngleich nicht so häufig wie Google – zur Suche nach Informationen genutzt. Auch – teilweise nur subtile – Veränderungen in der Bedienung einer Suchmaschine, der Navigation innerhalb der Suchtreffer oder der Darstellung von Beziehungen zu weiteren Informationen oder anderen Medientypen entscheidet für den einzelnen Benutzer oft darüber, wo er gern sucht… oder neben Google sonst noch sucht.

Daher werden vor allem bei Google ständig Verbesserungen gesucht, die dabei helfen sollen, die Position an der Spitze zu halten und dem Benutzer nicht nur ein möglichst passendes Suchergebnis zu bieten (die Verbesserungen am Suchalgorithmus sind ein anderes Thema, dass die SEO-Blogs dieser Welt schon zu Genüge spekulativ breit treten…), sondern auch eine gefällige und hilfreiche Oberfläche. Der „stumme und geduldige Suchschlitz“, das aufgeräumte Design, die schnelle Lade- und Antwortzeit sowie die Listendarstellung der Ergebnisse mögen einst Garant für den Erfolg gewesen sein und sind es im Fall der Einfachheit in der Darstellung sicher immer noch; die ständig wachsende Web 2.0 – verwöhnte Internetgemeinde verlangt aber nach mehr Flexibilität, Interaktion und Unterstützung bei der Definition der „zum Erwarteten passenden Suchanfrage“ und Auswertung der Suchtreffer.

Wenn man Google heißt, kann man sich allerdings nicht einfach so auf jeden Trend stürzen und vor lauter AJAX, Multimedia und „Designverbesserungen“ die Bedürfnisse der riesigen Armee bereits gewonnener Benutzer vergessen. Da der beharrlich an Gewohntem haftende Stammkunde naturgemäß der Feind des Neuen ist, müssen solche Verbesserungen also entweder sehr dezent bzw. optional umgesetzt werden oder im Stillen passieren – und sind dann darauf angewiesen, dass sie auf andere Weise bekannt werden (wer schaut schon unter Links wie „Mehr – und noch mehr“ oder „Weitere Informationen“ etc. nach?). Und: sie werden erst einmal lange und ausgiebig getestet. Da es bei Google erstens vernünftig ist, neue Dinge erst einmal für die englische Sprache (…bald wird man solche Tests sicher mit Inhalten in Mandarin machen müssen, weil die dann in der Mehrzahl sind, aber ich scheine abzuschw…) zu erproben und zweitens schon zum guten Ton gehört, möglichst lange „Beta“ drauf zu schreiben (auch dies hat einen Grund, der nicht zum Thema gehört, warum habe ich diese Klammer überhaupt aufgemacht?), findet man neue Funktionen während der ausdauernden Testphase zumeist in den Google Labs.

Google Suggest und andere „Experimental Search“ Erweiterungen der Google Labs

Die Vervollständigung von Eingaben ist eines ersten sinnvollen Anwendungsgebiete von AJAX und daher weit verbreitet. Es liegt also nahe, bei einem derart riesigen Datenbestand zu Suchanfragen sinnvolle Vorschläge für eine Suchphrase oder einen Einzelbegriff schon bei der Eingabe auch bei Google zu implementieren, die über die „Meinten Sie…“ Links bei erkennbaren Schreibfehlern oder die dezenten Vorschläge am Ende der ersten Trefferliste für zielgerichtetere Anfragen hinausgehen und schon bei der Eingabe hilfreich sind. Die in englischer Sprache zu testende Erweiterung Google Suggest zeigt, wo es auch mit dem Eingabefeld der Google – Website hingehen wird. Schon heute kann diese Erweiterung [auch für deutsch formulierte] Suchanfragen hilfreich genutzt und mit der Historie der eigenen Anfragen kombiniert werden, indem man die Google Toolbar einsetzt und deren Sucheingabefeld verwendet.

Die Verwendung von Suggest konnte auch eine zeitlang als Vorgabe eingestellt werden (Update: und ist nun freilich längst Standard); das bringt aber dem deutschsprachigen Suchenden nur bedingt dauerhafte Freude, weil zur Nutzung trotzdem immer Umwege über die Labs erforderlich sind (der kennt jemand einen einfacheren Weg?).

Neue Ansichten und Navigationsmittel für die Suchergebnisse

Außerdem ist es da schon viel interessanter, die Experimental Search „Alternate views for search results“ zu benutzen. Die Ansichten:

  • List view („klassische“ Ansicht)
  • Info view (Nach Kategorien gruppiert wie „Orte“, „Bilder“ etc.)
  • Timeline view (Zeitleiste, leider nicht bei vielen Suchbegriffen zu gebrauchen, aber interessante Idee) und
  • Map view (mit Kartenansichten, die die Suche beim Zoomen weiter eingrenzen kann)

können bei der Einschätzung der Relevanz gefundener Suchergebnisse je nach Art der Anfrage ganz neue Wege eröffnen. Bei „Dauerbrennerthemen“ eine Zeitleiste zur Einschränkung der Suchergebnisse verwenden zu können oder bei der Suche nach Angeboten lokaler Natur statt der direkten Eingabe bei Google Maps die „klassischen“ Suchergebnisse mit Hilfe einer Karte weiter einschränken zu können, mögen irgendwann genau so normal erscheinen wie die heutige Form der Suche… oder eben auch nicht. Noch lange nicht jedes Experiment geht in Serie oder dient nur als Vorlage für ein neues Experiment – oder wird in andere Google-Produkte integriert, obwohl es als potentielle reine „Sucherweiterung“ begonnen hat. Ab und zu mal unter „Mehr -> und noch Mehr“ nachzuschlagen, lohnt sich also, denn hier findet sich so mancher Kandidat wieder, der die Labs bereits verlassen hat. Auch die anderen aktuell laufenden Experimente sind einen Blick wert, wenngleich Spezialsuchfunktionen wie die Codesuche logischerweise nur einen eingeschränkten Nutzerkreis adressieren (dafür aber einen, der Suchmaschinen besonders oft nutzt und daher solche Spezialfunktionen nicht nur im Sinne des Benutzers praktisch sind, sondern auch helfen können, „unnötigen“ Suchtraffic zu vermeiden…).

Google Trends

Schon fast ein „Rentner“ in den Labs ist Google Trends. Wenngleich auch hier die englische Sprache vorherrscht und das Werkzeuge daher (derzeit) nur bedingt zur Recherche von Keywords für SEO und SEM geeignet sind (ähnlich wie Google Suggest oder die Google Sets), können damit Trends nachverfogt werden und das Volumen von Suchanfragen zu einzelnen Begriffen weitaus anschaulicher betrachtet werden, als das z. B. im Keyword-Tool von Google der Fall ist. Ein schönes Beispiel für die Spuren einer erfolgreichen Guerilla-Marketing Kampagne in den Suchtrends, die zu einem unglaublichen Peak zum 18.Januar 2008 führten – dem Datum, dass nicht nur mittels Kreidezeichnungen auf Gehwegen in viele Köpfe gefunden hatte: http://www.google.com/trends?q=Cloverfield

Spezialfunktionen der Google-Suche

Einiges, was man in ein Sucheingabefeld eingibt, führt zu Ergebnissen, die man in dieser Form nicht erwartet hätte. So entdeckt der eine oder andere Benutzer eher zufällig einzelne Spezialfunktionen der Suchmaschine und nutzt sie danach gezielt. Wer ruft trotz offenem Browser noch den Windows-Taschenrechner auf, wenn er ein Ergebnis braucht? Eigentlich unnötig, kann Google doch problemlos rechnen und selbst komplexere Aufgaben ebensogut berechnen. Eine Anfrage wie 17+4 lagweilt Google zwar, das Ergebnis stimmt aber und ist sogar frei von Werbung (möglicherweise werden komplexere Anfragen aber demnächst mit akademischen Stellenanzeigen geschmückt,  wer weiß?).

Genauso dezent hat Google auch gelernt, nach Aktienkursen zu suchen, günstige Tarife zu finden und mehr… man weiß es nur oft einfach nicht. Eine kompakte Übersicht findet man bei Google selbst (das ist nicht für alle Funktionen so selbstverständlich!) in der „Featureliste“ der Suche.

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