Markus Baersch

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25.04.2008

Yahoo und Google verfolgen beide neben vielen anderen Projekten derzeit ein recht ähnliches Ziel, nämlich die Liste der Suchtreffer durch Daten von Drittanbietern anzureichern. Dabei gibt es bei beiden Suchmaschinen durchaus Unterschiede; z. B. bei der Aufmerksamkeit, die die (nicht der Öffentlichkeit zugänglichen) Projekte erregen, der Dauer… und möglicherweise auch den potentiellen Auswirkungen.  

Wie soll das überhaupt aussehen? Yahoo taufte sein Projekt Ende Februar SearchMonkey und erhielt damit zumindest kurzzeitig recht viel Aufmerksamkeit in verschiedenen Presseportalen. Und sicherlich sitzen vielerorts bereits potentielle Anbieter in den Startlöchern, um geeignete Daten an das Projekt liefern zu können, wenn es denn soweit ist. Wer möchte nicht die zahlreichen Bewertungen „seiner“ Community als Portalbetreiber gern in die Suchtreffer eingebunden wissen, wenn dort die Website eines Restaurants, eines Dienstleisters oder eines anderen beliebigen kommerziellen Angebots angezeigt werden? Das klingt schon fast wie der Traum von „Huckepack-SEO“ mit Lizenz, wenn man ohne langwieriges Optimieren umkämpfter Suchbegriffe und aufwändigen Linkaufbau durch Anreicherung der bestehenden Suchtreffer – ggf. mittels Geld(?) –  durch „seine“ Daten einen Teil der Aufmerksamkeit (und des Traffics) abzweigen kann.   

Denn der Suchaffe bietet nichts anderes als die Möglichkeit der Anreicherung von Suchtreffern durch weitere Daten wie Bewertungen, Bilder etc. direkt in der Trefferanzeige. Wie das aussehen wird? Denkbar ist die Verwendung von Mikroformaten wie hCard und hReview, die Metadaten der eigenen Seiten mit Informationen anreichern (die aber nicht zwingend die eigenen Angebote betreffen müssen[?]) und durch Suchmaschinen ausgelesen werden. Das wäre zwar „nur“ ein Weg, die Daten zur Anholung bereit zu stellen; ensprechende APIs und XML-Formate zum Austausch aller benötigten Daten wie z. B. bei OpenSearch (nur eben mehr oder weniger in der anderen Richtung) sind aber sicher ohne große geistige Anstrengung denkbar… und je nachdem, was erzielt werden soll, viel praktischer für Anbieter und Suchmaschine. „Schöner“ sieht es natürlich aus, wenn man auf Miktoformate setzt und damit den Anschein wahrt, einen entschiedenen Schritt in Richtung Web 3.0 / Semantisches Web zu machen (…noch ein vollkommen unnötiger Nebensatz in Klammern: woher die ganzen passenden Ontoligien herkommen sollen und von wem sie in OWL oder sonstwie abgebildet werden, um einen nennenswerten Teil des Webs wirklich „semantisch“ zu machen, bleibt – zumindest mir – ein Rätsel). Unter der Haube bleibt die Anreicherung der Suchtreffer (vor allem! neben SEM) eine Chance für Websitebetreiber, sich nach der Freigabe für die Öffentlichkeit etwas zu überlegen, wie er die Suchtreffer denn sinnvoll anreichern kann, um die Chancen auf einen Klick zu verbessern. Hier und da vielleicht nur die eigenen Suchtreffer, anderswo eben auch „fremde“ Suchtreffer. Klingt nicht ausschließlich einfach nur „toll“? Stimmt…

Auch Google hat lt. Matt Cutts, dem „Imperator der Suchtreffer“ entsprechende Erweiterungen unter dem Titel Subscribed Links bereits länger (und weniger beachtet?) in der Pipeline. Auch hier kann man bereits erahnen, was alles theoretisch geht / gehen wird.

Sowohl zu diesem Blogbeitrag als auch z. B. im Yahoo! Search Blog oder zahlreichen Referenzen aus anderen (großteilig SEO-) Blogs gibt es in vielen Kommentaren daher nicht nur stumpfe Begeisterung zu lesen, sondern auch welche potentiellen Probleme befürchtet werden. Mal ehrlich: Wenn plötzlich bei allen „erfolgversprechenden“ Suchanfragen künftig nicht nur die vergleichsweise dezenten Ergebnislisten (sebstredend nebst Anzeigen! ;)) bei Google und Yahoo um die Gunst des Suchenden buhlen, sondern sich auch noch gegenseitig in hipper bunter Darstellung, Anreicherung mit Zusatzinformationen (anderer Sites!) und sonstwas zu übertreffen versuchen, bleibt nachher vielleicht dann letztendlich möglicherweise doch der Suchende auf der Strecke.

Daher ist es nachvollziehbar, dass Google zumindest offiziell nicht einfach „jedem Hansel“ erlauben will, die Gestalt der Suchergebnisse zu beeinflussen – und die Anreicherungen angeblich im Gegensatz zu Yahoo nicht unter bestimmten Umständen auch ohne explizite Aktivierung der „Drittanbieterinformationen“ in den Suchergebnissen plant. Wie das alles aber genau aussehen wird, wenn es Serienreife erlangt, darf gespannt erwartet werden. Ich höre schon jetzt die Stimmen der Kritiker, die Google (und selbstverständlich nur Google) zahlreiche Vorwürfe machen und es (möglicherweise zurecht?) bedenklich finden, dass in den Suchtreffern durch Erweiterungen wie Subscribed Links die Mehrklassengesellschaft weiter gefördert wird… Auf jeden Fall aber ist zumindest schonmal der Arbeitstitel bei Google eine Spur ehrlicher, als der niedlich daherkommende Affe, der beliebig mit Suchtreffern jongliert….

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