Markus Baersch

Software · Beratung · Lösungen

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20.08.2007

Wenn man zum ersten Mal vor der Frage steht, welches Online-Shopsystem „man sich mal ansehen sollte“, sobald der Wunsch nach einem eigenen Shop im Internet aufkommt, steht man vor einem Berg an Möglichkeiten.


Von welcher Seite man den Aufstieg wagt, ist oft von der zufälligen Laune des unvermeidlichen „guten Bekannten“ abhängig, der dann einen mehr oder weniger unfangreichen / hilfreichen / verständlichen Tipp absondert. Das System schaut man sich dann auch gern an, fragt den Bekannten dann noch, ob dieses oder jenes denn funktioniere („na klar!“) und schon geht es los – oft in die völlig falsche Richtung.



Investieren Sie vorher – oder zahlen Sie nachher drauf! Auch – oder gerade weil – es bei Shops durchaus eine Menge an kostenlosen Alternativen zu vergleichweise teuren und oft für den überschaubaren Anspruch überdimensionierten Systemen gibt, ist guter Rat hingegen teuer. Das, was der mitfühlende Kegelbruder geraten hat, ist dann zwar vielleicht erst einmal kostenlos oder sehr günstig, kann aber im Nachinein eine Menge an Geld für Anpassungen oder Ärger wegen nicht erfüllbarer neuer oder erst zu spät erkannter Anforderungen kosten.


Dagegen helfen eigentlich nur zwei Mittel:



  1. Man macht sich selbst an die Recherche und untersucht mehrere Alternativen für den eigenen Online-Shop.
  2. Man übergibt diese Aufgabe an einen Dienstleister, der nach den aufgenommenen Anforderungen mehrere Lösungen gegenüberstellt und eine Empfehlung ausspricht.

Die Phase einer durchdachten Evaluierung sollten Sie aber auf keinen Fall überspringen! Das Dumme dabei ist: Egal, ob Sie es selbst machen oder einem Dritten überlassen, die Anforderungen gegen die Möglichkeiten verschiedener Shopsysteme abzuwägen; sie müssen schlussendlich selbst bestimmen, was genau Sie brauchen und welche Rahmenbedingungen beachtet werden müssen. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern z. B. auch den erwarteten Umfang an Besuchern / Bestellungen etc.


Tipps zur Evaluierung von Shopsystemen


Hier ein paar Denkanstöße für eine Recherche, die dabei helfen, Fehler bei der Auswahl des Systems zu vermeiden und die eigenen Anforderungen zu erkennen und dann mit Shopsystemen zu vergleichen. Es muss nicht immer ein ausgefeiltes Pflichtenheft sein (oder zumindest nicht in jedem Fall), aber eine strukturierte Vorbereitung der Entscheidung sollte der gesunde Menschenverstand erfordern.


Betrachten Sie den Shop als das, was er ist: Ihre neue Ladenfilliale im Internet. Wie wäre das, wenn es sich um einen „echten“ Shop handelt, den Sie in einer benachbarten Stadt eröffnen wollen? Nehmen Sie da gleich jedes Kellerloch, nur weil es billig (nicht gleich günstg!) ist? Müssen noch neue Farben an die Wände? Paßt alles rein? Kann man den Laden überhaupt finden und gibt es gute Parkmöglichkeiten? Ähnliche, aber andere Fragen sollten Sie sich auch stellen, bevor Sie auf der www.irgendwas-de-Straße Ihren Pachtvertrag unterschreiben und sich wohlmöglich auch noch langfristig an das Objekt binden.


Stand-Alone, Schnittstellen oder „integriert“?


Die Anzahl der Bestellungen bestimmt, ob Sie ein System brauchen, dass an Ihre Auftragsbearbeitung angeschlossen ist oder nicht. Schreiben Sie Ihre Rechnungen mit Word? Dann dürften es nicht zu viele sein und Sie brauchen sich um Schnittstellen nicht zu kümmern. Anderenfalls sollten Sie zunächst beim Hersteller Ihrer Auftragsbearbeitung in Erfahrung bringen, ob es nicht ein integriertes oder angebundenes System gibt oder ob dort Empfehlungen ausgesprochen werden können. Fragen Sie am Besten auch gleich nach Referenzen. Erhalten Sie eine Antwort der einen oder anderen Kategorie, nehmen Sie diese Produkte auf jeden Fall mit auf Ihre Kandidatenliste (Tipp Nummer Null: erstellen Sie eine Kandidatenliste! Auf Papier, in Excel – wurscht. Nur nicht ausschließlich im Kopf).


Wie einfach ist die Pflege der Inhalte?


Und wenn Sie nur zwei Artikel haben: Achten Sie darauf, dass Sie die Inhalte des Shops selbst pflegen und aktualisieren können. Und das bedeutet, dass es auch in zwei Monaten noch geht, ohne ein komplettes Handbuch zu lesen. Die Pflege der Inhalte muss entweder automatisiert werden können (Schnittstellen; integrierte Lösungen) oder zumindest einen für Sie leicht bedienbaren Editor beinhalten. Und wenn der Editor „ein Planet“ ist, dann suchen Sie sich einen sicheren Weg zur Erfüllung Ihrer Anforderungen bei der Erstellung eines neuen Artikels oder der Bearbeitung eines vorhandenen Eintrags, den Sie sich so merken oder aufschreiben können, dass Sie jederzeit Veränderungen und Erweiterungen vornehmen können.


Hat der Shop ein „offenes Design“ (und: brauche ich das)?

Je nachdem, ob Sie den Shop in Ihre Website „integrieren“ oder wenigstens optisch passend zum Rest Ihres Auftritts halten wollen, ist es erforderlich zu wissen, welche Gestaltungsmöglichkeiten ein Shopsystem bietet. Und je nachdem, ob Sie Ihre Seite selbst gestaltet haben oder nicht, müssen Sie ggf. auch die eine oder andere Frage an Ihre Agentur oder Ihren Webmaster stellen, um bei der Auswahl die Kandidaten auszusieben, die im Design zu starr für Ihre Anforderungen sind. Und Vorsicht: Nur weil in der Beschreibung steht, dass das Design anpassbar ist, bedeutet des noch nicht, dass Ihre Anforderungen abgedeckt werden können. Und auch nicht, dass Sie es selbst hinbekommen. Fragen Sie also lieber bei Unklarheiten jemanden, der sich ein wenig mit der Gestaltung von Webseiten auskennt, wenn das nicht Ihre Welt ist.

Werden alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt?


Die Frage scheint zunächst unnütz, ist es aber nicht. Viele Shopsysteme sind nicht ausschließlich für den EU-Markt konzipiert oder gar überhaupt nicht dafür geeignet – oder erst nach einigen Anpassungen. Mit dem Eröffnen eines Shops gehen Sie auch die eine oder andere Verpflichtung ein und sollten zumindest in groben Zügen wissen, was erforderlich ist, um beim Verkaufen im Web auf der sicheren Seite zu sein – sonst drohen böse Überraschungen in Form von Abmahnungen, die gern auch Ihr Mitbewerber für Sie in Gang setzt, wenn Sie sich eine offenkundige Blöße geben. Wenn der Shop also nicht von selbst behauptet, aus der Verpackung heraus installiert und unter Einhaltung aller Bestimmungen in Betrieb genommen werden zu können, sollten Sie in Erfahrung bringen, welche Dinge ggf. noch nachinstalliert werden müssen oder generell fehlen.


Das Internet ist hier eine gute Quelle, wenn Sie in die Suchmaschine Ihrer Wahl einfach den Namen des Shopsystems und passende Ergänzungen wie „Forum“, „Abmahnung“, „EU-Richtlinien“ o. ä. eingeben. So machen Sie sich auch gleich ein Bild (speziell im Bereich der Foren) von Performance, Stabilität und Erfahrungen bei anderen Anwendern.


Die Einhaltung aller Bestimmungen ist übrigens eine Frage, die Sie sich auch nochmal vor dem endgültigen Liveschalten Ihres Shops stellen sollten… denn gern ist das eine oder andere erforderliche Element im Zuge der Individualisierung Ihres Shops aus dem Design „wegoptimiert“ worden.


Was bin ich bereit zu zahlen? Einmalig oder periodisch?


Shopsoftware kann unterschiedlichste Formen annehmen. Einige „Generatoren“ produzieren statische HTML-Seiten aus Ihren Artikeldaten, die dann an einen fest vorgegenbenen Bestellprozess angeschlossen werden oder in einem besseren Kontaktformular enden, dass die Bestellung dann an Ihre Mailadresse sendet. Nicht falsch verstehen: Wenn Sie nur drei Bestellungen pro Monat erwarten und auch nicht mehr brauchen, kann das durchaus die optimale Lösung für Sie sein!


Für andere Systeme wird eine einmalige Gebühr fällig, danach installieren Sie es auf Ihrem Webserver oder dem heimischen Rechner; wieder andere Systeme werden komplett vom Hersteller gehostet und kosten vielleicht gar nichts – oder Sie bezahlen monatlich, wuartalsweise oder jährlich für die Nutzung. Und auch im Bereich der OpenSoruce-Lösungen ist nicht alles „umsonst“.


Bei allen Modellen sollten Sie aber unbedingt überlegen, wie lange es dauert, bis der Shop voraussichtlich seine Kosten eingespielt hat – und zwar in Form zum zusätzlichen Bestellungen – und nicht solchen, die Sie ohnehin bekommen hätten und die nun nur deswegen über das Web kommen, weil Sie Ihrem Kunden bei der Anfrage am Telefon gesagt haben, dass er nun auch im tollen neuen und schönen Shop bestellen kann („ist er nicht herrlich… ja finde ich auch“)!


Bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche?


Je nach Lizenzmodell und Herkunft eines Shopsystems sind auch die Konditionen für Unterstützung bei Problemen und Fragen höchst unterschiedlich. Optimal ist sicher eine Lösung, die keine Fragen aufwirft. Allzu oft sind es aber diese Lösungen, die Ihnen zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten bieten wie z. B. die Shops, die man „aus Versehen“ miterwirbt, wenn man einen DSL Anschluss beantragt. Ist Ihnen das egal und wollen Sie nur ein paar Artikel online anbieten: prima. Sonst aber sollten Sie schon jetzt planen, wie Sie im Ernstfall vorgehen wollen. Wird eine bestimmte Verfügbarkeit des Shops (oder des gehosteten Warenkorbs) garantiert? Wie schnell erhalte ich Antwort bei Problemen; gibt es Aussfallszenarien; habe ich eine Hotline und was kostet diese? Heute wird Ihnen das vielleicht noch egal sein, aber was ist, wenn Ihr Shop so gut funktioniert, dass ein mehrstündiger Ausfall des Systems Sie so viel kostet, wie Sie heute noch im Monat einnehmen mögen? Quantifizieren Sie also, welchen „Servicelevel“ Sie benötigen (mittelfristig!) und beurteilen Sie die Kandidaten auch nach diesem Gesichtspunkt.


Ist mein Shop suchmaschinenfreundlich?


Was nutzt der beste Shop, wenn ihn keiner findet? Klar, Sie wollen einen Shop, dessen Seiten zu den jeweiligen Artikeln auch gefunden werden, wenn jemand danach sucht. Dumm nur, dass auch viele tausend andere Anbieter das gleiche wollen. Wenn es Ihnen also darauf ankommt, mit dem Shop neue Kunden zu erreichen und „zufällige“ Besucher zu wiederkehrenden Geldquellen zu machen, dann sollte der Shop auch in der Lage sein, Ihre Artikel in den Suchergebnissen unterzubringen. Wie Sie das beurteilen können? Na, wenn Sie nicht zufällig Zeit und Lust haben, ein Buch über Suchmaschinenoptimierung zu lesen, dann hilft auch hier wieder gern das Internet. Shopname + Suchmadschine(n) / suchmaschinenfreundlichkeit / SEO[optimierung] sind gute Einstiege in einen Überblick via Google. Wenn Sie hier auf zahlreiche Tipps stoßen, wie Produkt xyz suchmaschinenfreundlicher werden kann, achten Sie auch gleich auf die Voraussetzungen dafür, denn oft ist dazu dieses oder jedes System oder Modul erforderlich, welches zusätzliche Kosten verursacht oder im Zweifelsfall auf Ihrem Server überhaupt nicht betrieben werden kann oder darf! Sorry, aber Expertenrat ist ggf. auch hier wieder gefragt. Wenn Sie Referenzen der Shopsysteme kennen: Prima, dann nichts wie rein in die Referenzshops und deren Artikel einfach mal bei Google suchen…


Auch Schnittstellen zu Artikelsuchmaschinen wie Froogle & Co. sind ein gutes Argument für einen Shop, wenn Sie Ihr Augenmerk auf die Neukundengewinnung durch den Betrieb des Onlineshops legen. Ein weiterer Punkt für Ihre Liste…


Ist der Shop gut bedienbar?


Diese Frage steht zwar hier am Ende der Liste, da Sie durch die anderen Kriterien zumeist schon eine gute Reduktion der Kandidaten erreichen, ist aber dennoch am Ende des Weges – also nach Inbetriebnahme des Shops – das Einzige, was zählt. Wenn Sie selbst im Web einkaufen, kennen Sie es vielleicht. Einige Shops vermitteln Vertrauen, andere lassen Sie vor dem Abschluss einer Bestellung zurückschrecken – entweder schon am Anfang (z, B, durch ein Design, dass nach alten Socken und muffigen Kellern riecht!) oder im Verlauf des Verkaufsprozesses. Wenn Sie es sich leisten können, lassen Sie mehrere Personen (Freunde, Familie und vor allem: Kunden) Ihre Kandidaten testen und hören Sie gut zu. Was Sie mehr als einmal hören, passiert potentiell auch Ihren künftigen Besuchern und hindert am Kaufabschluss, wenn Sie sich für dieses System entscheiden. Faustregel: Man sollte immer wissen, wo man gerade im Kaufprozess ist und nach welchem „Weiter“ denn nun schlussendlich bestellt wird – und wie lange ich noch ändern und aussteigen kann, wenn ich dies will.


Machen Sie es wie die Computerzeitschriften: Erstellen Sie eine Tabelle


Jeder Vergleichstest endet nach der Prosa in einer Vergleichstabelle und diese in einem Fazit. Sie lesen Computerzeitschriften und kennen Vergleichstests. Ganz sicher! Sonst kaufen Sie sich ausnahmsweise mal eine Ausgabe mit einigen Vergleichtests von irgendwas, auch wenn Sie kein „Computerfuzzi“ sind. Ja genau, so eine Tabelle machen Sie jetzt auch. Rein kommen alle Kandidaten und die Anforderungen, sie Sie selbst gefunden haben, gruppiert nach Bereichen wie Kosten, Installation, Systemvoraussetzungen, Design, Verfügbarkeit / Performance, Hilfe und Support, Einführungs- und Pflegeaufwand, Bedienung, Technik, Datenpflege, Suchmaschinen, Abdeckung meiner gewünschten Zahlungsarten…. und so weiter.


Ihre Liste ist Ihre Liste und sollte daher alles abdecken, was Sie für wichtig halten. Wenn Sie diesen Überblick erst einmal vor Augen haben, können Sie die einzelnen Punkte auch viel besser mit anderen diskutieren oder offene Fragen anhand der Aufstellung mit Ihrem Webmaster oder anderen Beteiligten klären. Gewichten Sie nicht alle Pukte gleich, sondern vergeben Sie für einzelne Gruppen oder jeden einzelnen Punkt einen Faktor, der seine Wichtigkeit repräsentiert.


Viele Antworten auf die Fragen, die Sie in Ihrer eigenen Tabelle stellen, werden glücklicherweise schon in bestehenden Tests beantwortet. Finden Sie gerade keinen in einer aktuellen Zeitschrift, durchforsten Sie einfach die Archive der Magazine im Internet. So finden Sie z. B. einen Test und Vergleich bei Heise unter zum kostenpflichtigen (aber durchaus bezahlbaren) Download.




Noch ein paar weitere Links zum Abschluss:


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