Markus Baersch

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29.03.2015

Am 21. April ist #MobileDay. Wer bis dahin nicht (endlich) seine Hausaufgaben gemacht und seine Website auf Mobilfreundlichkeit abgeklopft hat, wird bei Suchanfragen, die auf Mobilgeräten stattfinden (Wachstum: schnell und unaufhaltsam), nicht mehr gefunden, weil die „mobilen Rankings“ deutlich abfallen werden.

Eine Überraschung? Nein.

Nach all dem freundlichen „Du, mobile ist echt wichtig, Du – mach da doch mal gelegentlich was, ja?“, das seit 2010 immer wiederholt, aber meistenteils unbeachtet blieb, hat uns Google zuerst in seit Mitte 2014 rasant steigender Schlagzahl massenweise Infos und Werkzeuge an die Hand gegeben, dann per Webmaster Tools tonnenweise Warnungen per Mail versendet und schlussendlich mit dem konkreten Termin 21.4.2015 die Pistole auf die Brust gesetzt. Wer jetzt nicht aufwacht und die bestehenden Probleme aller Besucher mit Smartphones weiterhin missachtet, wird dort konsequenterweise bald auch nicht mehr angezeigt; darüber habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.

Der Mai ist gekommen – die Rankings schlagen aus?

Spätestens Anfang Mai wird man mit dem Ausrollen nach eigenen Aussagen bei Google fertig sein. Mobile Rankingverluste drohen. Das muss kein Problem sein… jedenfalls nicht sofort: Wer jetzt noch keinen nennenswerten Anteil an organischen Besuchern per Smartphone verzeichnet, mag sich auch noch Zeit lassen dürfen. Alle anderen müssen aber handeln, wenn der Anteil nicht rapide sinken soll.

Vorher noch fertig werden? Möglich…

Aus der Erfahrung von inzwischen über 25 (teilweise zugegebenermaßen auch nur „notdürftig“) in den letzten Monaten auf Responsive Design umgestellter Websites, die zumindest erst einmal den Mobilfreundlichkeitstest bei Google mit „grün“ bestehen, kann ich behaupten, dass es für viele, aber sicher nicht alle Websites i. d. R. eine praktikable, wenngleich sicher nicht perfekte Lösung gibt, deren Vorbereitungs- und Umsetzungsaufwand in Stunden und nicht in Tagen berechnet werden kann. Jedenfalls bis uns auch Mobile Page Speed und der Rest einholt und der Erhalt der Rankings mehr erfordert als nur Änderungen am Design oder ein paar Templates.

Ja oder Nein: Google Mobile Friendly Test

Wer nicht 100% aller Seiten umstellen kann, hat außerdem die Option, sich den wichtigsten (Traffic bringenden) Inhalten zu widmen – das sind oft nur die Startseite und eine Handvoll weiterer Seiten, die i. d. R. auch alle mit dem gleichen Template erstellt und dem gleichen Design versehen werden. Denn das Thema „Mobilfreundlichkeit“ ist bei Google (aktuell) nicht nur an eine überschaubare Anzahl von Anforderungen geknüpft, sondern wird auch seitenweise beachtet, nicht „domainweit“.

Google hat bzgl. einer bevorzugten Methode selbst klargestellt, dass Responsive Design keine Vorteile ggü. anderen Lösungen haben wird. So ist also selbst eine separate m.meinedomain.de mit vollkommen unabhängigen Inhalten für Mobilgeräte ein ebenso probater Notbehelf wie die keinerlei Anpassungen am eigenen System (abgesehen von ein paar DNS-Einstellungen) erfordernde dynamische Generierung mobiler Fassungen durch das System eines Dienstleisters, von denen es inzwischen einige gibt – als Service oder „selbstgehostet“.

… aber mitunter nicht sehr wahrscheinlich

Weil der Termin erst Ende Februar bekannt geworden ist, kann gerade die Umstellung größerer Websites – oder kleinerer, dafür komplexer Webauftritte – kaum rechtzeitig fertig werden, wenn man erst im März oder später startet. Zu vollgestopft sind die IT-Roadmaps des Mittelstands. Aus beharrlicher Ignoranz plötzlich agile und effiziente Aktivität an den Tag zu legen oder einen Plan B wie die „Mobilmachung“ der wichtigsten Seiten zu schmieden, beschließen und auch noch umzusetzen, bis der 21. April auf dem Kalender steht, ist selten noch drin.

Unterschiede gibt es schon heute

Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Unterschiede zwischen Desktop- und mobilen Rankings weiter verändern werden… und bei wem die Ausschläge nach unten – oder durch Verdrängung des unvorbereiteten Wettbewerbs ja vielleicht auch nach oben? – besonders groß ausfallen. Ab dem 22. April wird es von den SEO-Toolanbietern dazu vermutlich reichlich Daten geben. Wer nicht bis dahin warten will, kann sich beim SISTRIX Smartphone-Sichtbarkeitsindex informieren, inwiefern sich schon auf Basis der Daten vom Februar Unterschiede feststellen lassen.

STSTRIX Smartphone Sichtbarkeit

Da hier „nur noch“ die Aktualisierung der Datenbasis erforderlich ist, sollte sich auch ein zweiter und dritter Besuch lohnen, wenn erst einmal der #MobileDay gekommen ist 😉

Nächster Halt: Mobile PageSpeed

Damit ist die Reise natürlich nicht zu Ende. Ein so digitaler Faktor wie „mobilfreundlich“ oder „mobilmist“, wie er derzeit nicht nur in Form des oben angesprochenen Tests implementiert ist, sondern in gleicher Form auch in den Webmaster Tools lebt – und vermutlich aktuell im angekündigten Algoupdate, das uns so nett nebst konkretem Termin in Aussicht gestellt wurde -, ist noch nicht das, was wir von Google gewohnt sind.

Die Tatsache, dass ein Klick zum Recheck einer in den Problemen genannten Seiten des Berichts zur „Benutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten“ in den WMT früher nicht zu dieser „hopp oder top“-Evaluierung, sondern zu den mobilen PageSpeed Insights geführt hat, wo man weitaus strenger mit den Probanden verfährt, zeugt von einer gewissen Rücksicht seitens Google…

Streng: PageSpeed Insights

…aber zeigt auch in eine klare Richtung. Genau wie die in der Branche nicht unbemerkt gebliebenen Tests mit als „Slow“ gekennzeichneten Seiten.

Der „Mobile Split“ kommt

Es ist bereits angekündigt, dass Google in Zukunft die Unterschiede zwischen Desktop, Tablet und Smartphone ernster nehmen will. Man wird dazu einen eigenen, vom „Desktop-Index“ getrennten Index für mobile Suchergebnisse betreiben… und mittelfristig bestimmt auch einen separaten Satz an Rankingfaktoren und deren Gewichtung, um sensibler mit den sehr unterschiedlich ausfallenden Nutzersignalen aus verschiedenen Gerätewelten umgehen zu können. Die gleiche Maßnahme wäre selbstredend auch für Tablets denkbar, für Wearables… oder was auch immer übermorgen das dominierende Gerät sein wird. Desktop und Laptop aber ganz sicher nicht. Insofern ist dieser Schritt nicht nur logisch, sondern auch (überlebens-) notwendig für Google. Und deren Wettbewerber. Genau wie die entsprechende Reaktion aller Websitebetreiber, die sich um organischen Traffic scheren.

Damit: Happy Mobilmaching 😉

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