Markus Baersch

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23.11.2015

Der Titel lässt es vermuten: Dieser Beitrag ist der erste aus einer Serie von Artikeln rund um das Measurement Protocol. Im ersten Teil geht es um Zweck, Einsatzmöglichkeiten und eine Anleitung für erste Gehversuche.

Alle Teile dieser Serie

Tracking mit dem… was? Kurzvorstellung GA Measurement Protocol

Google Analytics dient(e) primär dazu, Seitenaufrufe und Interaktionen auf Websites auf verschiedene Weise mess- und analysierbar zu machen. In den letzten 10 Jahren hat sich die technische Basis dahinter mehrfach geändert. Weil Markt, Wettbewerb und Anwender laufend neue Fähigkeiten bei Tracking und Auswertung fordern, sind neben vielen notwendigen Feature-Erweiterungen spannende Dinge wie die API oder der Tag Manager dabei herausgekommen.

Einer der größten Evolutionssprünge hat Analytics mit der Einführung von Universal Analytics gemacht. Damit wurden nicht nur Apps und Websites unter einen Hut gebracht, sondern es entstand auch als „Nebenprodukt“ das Measurement Protocol als direkte Kommunikationsbasis mit den Analytics-Servern. Oder besser: Über das Measurement Protocol kann jeder Client mit Internetzugang genauso Daten an Google Analytics senden, wie es Apps und Websites über die Standardimplementierung des Analytics-Trackings tun. Wie sieht sowas aus?

Google Analytics Hits unter der Lupe

Wenn eine Website den aktuellen (Universal-) GA Trackingcode beinhaltet und dieser bei der Ausführung irgendwann einen „Pageview“ als Hit an den Analytics-Server sendet, kann man ihm dabei z. B. mit dem Tag Assistant im Chrome oder der Netzwerkansicht im Inspektor über die Schulter schauen.

Pageview-Hit im Netzwerkprotokoll
Ein Klick auf den „collect“-Eintrag für den Pageview enthüllt alle Details der Request-URL

Wer lieber in den Tag Assistant schaut:

Pageview im Tag Assistant
Der Tag Assistant zeigt auf einem eigenen Tab die aufgerufene URL, die den Pageview-Hit auslöst

Betrachtet man die übergebenen Parameter, findet sich neben IDs für User, Analytics Property und dem „Pageview“ als Hit-Typ eine bunte Mischung aus Metriken und Dimensionen, die den Aufruf begleiten. Ähnlich macht es eine App, wenn sie Google Analytics-Tracking nutzt. Das Measurement Protocol macht mehr oder weniger das Gleiche. Ein paar Parameter mehr, einige weniger… aber im Prinzip basieren alle Trackingmethoden auf einer gemeinsamen Basis und funktionieren sehr ähnlich.

Measurement Protocol: Tracking über Websites & Apps hinaus

Will man über das Measurement Protocol Daten an „seine“ Webanalyse senden, muss lediglich eine URL zusammengebaut und aufgerufen werden. Das kann im Browser passieren… oder aus einer beliebigen Anwendung heraus. Ein potentieller Client muss in der Lage sein, den Analytics-Server mit diesem Aufuf zu erreichen. Er muss aber nicht zwingend auf einem komplexen Rechner installiert sein und braucht keinen Anwender, der ihn bedient.

Genau da beginnt der Spaß. Ein einfacher Minicomputer wie ein Raspberry Pi mit Verbindung zum Internet reicht, solange es etwas zu verarbeiten gibt: Signale von externen Quellen wie Lichtschranken oder Türsensoren zum Beispiel. Oder Zugriff auf eine Logdatei, die regelmäßig nach neuen Einträgen durchsucht wird, um diese per Measurement Protocol in Analytics zu versenken. Über Dienste wie If This Then That lassen sich Events auslösen, die man üblicherweise nicht in einer Webanalyse findet – ein Beispiel gibt es in dieser Artikelserie.

Mit dem Measurement Protocol lässt sich die Nutzung von sehr vielen unterschiedlichen Dingen messen. Als Event, Pageview, Transaktion oder „exotischere“ Hit-Typen wie Timings oder Fehler. Jemand betätigt die intelligente Türklingel? Das kann ein Ereignis in Analytics auslösen. Der Bewegungsmelder springt an? Für Bastler kein Hexenwerk, Anzahl und / oder Dauer von Auslösungen zu tracken. Die Kühlschranktür hat einen Sensor? Wenn man die Möglichkeiten des Measurement Protocols weiter denkt, ergeben sich zahllose Anwendungsgebiete.

„Bodenständigere“ Szenarien gefällig? Das Tracking von offline erfolgten Käufen oder traurigeren Vorgängen wie Retouren und Stornierungen von bereits in Analytics gemessenen Transaktionen sind Beispiele, um die es in dieser Artikelserie noch gehen wird.

Wo man dem Measurement Protocol vermutlich schon begegnet ist

Das „Internet of Things“ mag einigen spätestens jetzt durch den Kopf schießen. Stimmt. Das ist sogar ein Riesenpotential. „Google Analytics Spam“ denken andere. Auch die haben (leider) Recht! In fast jeder Datenansicht finden sich Spuren vom Einsatz des Measurement Protocols: Referrer- und Eventspam sind schwer zu bekämpfen und gehören zum traurigen Alltag vieler Nutzer… bewusst oder unbewusst. Nicht ganz unschuldig daran ist das Measurement Protocol, denn damit kann jeder Daten an jede Property senden, solange die Id stimmt. Gängige, auf Filtern beruhende Methoden zur Abwehr helfen nur bedingt, da sich Dinge wie IP, Hostname und andere Merkmale über das Measurement Protocol so gestalten lassen, dass „gut gemachter“ Spam wie ein normaler Hit wirkt und entsprechende Filter daher umgeht. Wer das Problem kennt und eine einfache, aber wirkungsvolle Methode zur Filterung unerwünschter Verschmutzung der eigenen Daten sucht, freut sich bestimmt über eine Anleitung zur Anpassung des Trackings, um
Analytics Spam zu verhindern.

Mein erster eigener Hit!

Wer wollte nicht schon immer irgendwann selbst einen Hit schreiben? Na gut: Mit einem selbstgeschriebenen Hit für Google Analytics wird man vielleicht nicht reich… dafür ist er auch viel einfacher gestrickt. Damit sich nachvollziehen lässt, ob das Ganze funktioniert, empfehle ich ungeachtet meiner Hinweise aus dem vorherigen Abschnitt die Verwendung einer eigenen Property (:)). Nur so kann man das Ergebnis direkt in der Echtzeit-Übersicht in Google Analytics sehen.

Um zu verhindern, dass dabei die Echtdaten der eigenen Website verwässert werden, sollte der erste Schritt die Anlage einer neuen Property sein, welche für die ersten Gehversuche mit dem Measurement Protocol genutzt wird. Danach kann der gefahrlose Einstieg mit einem Event erfolgen. Mit den folgenden Schritten senden wir einen Event-Hit via Measurement Protocol in die Datenansicht der neuen Test-Property:

  1. Eigene ID: Google Analytics öffnen und die ID der (Test-) Property notieren.
    Property-ID in Suchfunktion
  2. Echtzeit öffnen: In der Navigation der Test-Datenansicht den Bericht Echtzeit -> Ereignisse aufrufen.
  3. Roll Your Own: Um ein Ereignis zu erzeugen, die folgende URL kopieren, in einem neuen Reiter in die Adresszeile des Browsers einfügen und die ID „UA-xxxxx-1“ gegen die eigene ID austauschen:
    https://www.google-analytics.com/collect?v=1&tid=UA-xxxxx-1&cid=666&t=event&ec=TestEvents&ea=MP+Test+angekommen
  4. Jetzt die ergänzte URL aufrufen. Das Ergebnis ist unspektakulär: Es kommt ein Zählpixel zurück, mehr Sichtbares passiert an dieser Stelle nicht.
  5. Der Echtzeitbericht sollte bereits aktualisiert worden sein und einen Eintrag für unser gerade ausgelöstes Ereignis aufweisem:
    Hit in Analytics angekommen

Unspektakulär? Vielleicht. Aber so einfach ist es, Daten in die Webanalyse zu bekommen… wie gesagt nicht nur die eigene. Wer jetzt weiter spielen und andere Hit-Typen austesten möchte, findet bei Google eine ausführliche Beschreibung aller Parameter und den Hit Builder (ein Werkzeug zur Zusammenstellung von Tracking-Anfragen). Vor dem Beschießen eines Echtdaten-Profils empfehle ich den nächsten Teil, in dem es Praxistipps für den realen Einsatz gibt.

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